Prof. Dr. Donald Hoffman und das Shinjinmei

Warum es befreiend ist seinen Meinungen nicht zu glauben



Ich möchte gerne meine Erfahrung teilen, dass ich durch die Beschäftigung mit dem Shinjinmei und der Auseinandersetzung mit Prof. Hoffman dazu gekommen bin, immer wieder meine Meinungen zu hinterfragen und sie zunehmend nicht mehr Ernst zu nehmen - was ich als sehr befreiend empfinde.


Als Hintergrund zu mir.  Im Jahr 2000 bin ich bei einem inner-asiatischen Flug 3 Mönchen begegnet, die so eine gelassene, glückliche Ausstrahlung hatten, dass ich seither die Sehnsucht habe auch in einen solchen Zustand leben zu können. Daher meditiere ich seither mehr oder weniger regelmäßig und vor 6 Jahren bin ich dann meinem online Guru begegnet. Für 4 Jahre ich habe ich regelmäßig an seinen Satsangs aus der Tradition des Kashmir Shaivismus teilgenommen und zwei mal war ich auch in Indien um ihn persönlich zu erleben. Bei einem dieser online Satsangs hatte ich dann den Durchbruch während der Meditation mich wirklich als Bewusstseinsfeld wahrzunehmen. Die in so vielen alten Texten beschriebene Umkehr: Mein Bewusstsein ist nicht in meinem Körper sondern mein Körper und mein Erleben ist in meinem Bewusstseinsfeld.


Eine wesentliche Erfahrung auf dem Weg zum Verständnis hatte ich auch bei einem Retreat mit Andrea und Thomas.  Damals hatte ich in einer Vollmond-Nacht den sehr plastischen Traum, dass ich in einem Turm gefangen bin. Als ich gewagt habe den Kopf ein wenig herauszustrecken sah ich , dass ein Engel mit einem Schwert bereit stand mir den Kopf abzuschlagen, sobald ich mich weiter aus dem Turm herauswage. Ich habe regelrecht Todesangst verspürt aber es war mir klar.  Wenn ich mich befreien will, muss der Kopf ab.


Hierbei möchte ich noch kurz einfügen, dass ich die klare Unterscheidung zwischen ich und ego in der vedischen Philosophie sehr hilfreich finde. Kopf ab heiß natürlich das Ego hinter sich lassen. Ich merke aber, das Sein und Ego oft in einen Topf geworfen wird. Das Sein, das wirklich im “Erleben-Sein” sich als Erlebender, als Subjekt zu erleben ist es, worum es bei Moksha (Befreiung) geht. Dafür muss man das sog. Ego loslassen, dass sich eben nur auf die Vorstellungen, Vorlieben, Meinungen, und alle Gedankenkonstrukte bezieht, aber eben nicht auf das Erleben und das “mitten im Leben stehen” und “aus der Situation heraus agieren”.


Bei mir gab es einen dieser Momente, wo man etwas mit mehr als dem Verstand sondern mit dem ganzen Wesen versteht, als ich auf Text eines alten Zenmeisters gestoßen bin, auf das Shinjinmei. Ich war wie elektrisiert, habe gespürt, dass ich hier etwas verstanden habe, was ich noch gar nicht verbalisieren konnte. Dieser Text eines alten Zenmeisters hat mich so berührt, dass ich mich auf die Suche nach einer “besseren” Übersetzung gemacht habe. So bin ich auf die englische Version eines amerikanischen Zen Lehrers (Richard B. Clark, Living Dharma Center, Amherst, Mass) gestoßen, die ich ins Deutsche übersetzt habe. Inzwischen habe ich eine deutsche Übersetzung von Wolfgang Waas gefunden, dass ich ebenfalls in meine Version mit eingebaut habe. 


Auf den Punkt gebracht besagt dieser Text: Wenn Du in Frieden diese Leben leben willst, vergiss Deine Meinungen. Und das habe ich als ungemein befreiend erlebt.  Es ist mir regelrecht eine Last von den Schultern gefallen, 


Prof: Hofmann


Die Bestätigung, dass das, was die alten Weisen erkannt haben auch mit der neuesten Forschungen der Wissenschaft konform geht, habe ich u.a. bei Prof, Dr. Hoffman gefunden,


Prof. Hoffman (Cognitiv Scientist an der University of California Irvine) kommt in seiner “Interface Theory of Perception (Die Theorie der Benutzeroberfläche zur Wahrnehmung)”  zu dem Schluss, dass unsere Wahrnehmung die objektive Wirklichkeit nicht (annähernd) abbildet sondern eine artspezifische Benutzeroberfläche (unser Interface) ist, ähnlich wie der Desktop eines Computers.


Prof. Hoffman’s Theorie basiert auf der Idee der Evolution: Evolution maximiert nicht Wahrheit sondern Fitness (Überlebens- und Fortfpflanzungserfolg)


Eine wahrheitsgetreue Wahrnehmung der Realität wäre zu energieintensiv und unnötig komplex. Daher nehmen wir (und alle kognitiven Wesen) nur wahr, was für uns nützlich ist.


Diese Überlegung  hat er zusammen mit dem Mathematiker Chetan Prakash mit evolutionären Spieltheorien, Computersimulationen und mathematischen Theorien wissenschaftlich formalisiert. Daraus ist “Fitness-Beats-Truth-Theorem” entstanden, die klar aufzeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass natürliche Selektion ein Sinnessystem formt, dass wahre Eigenschaften der objektiven Welt abbildet bei null liegt. Wie er in seinen Interviews immer sehr anschaulich betont:  “precisly zero”, als genau Null. Das hat ihn selbst auch erstmal schockiert. 


Wir sind ja so daran gewöhnt zu meinen, dass wir die Realität erkennen und unsere Meinungen und Vorstellungen daher richtig sind. Nun hat gerade die Covid-Zeit gezeigt, wie gesellschaftlich zerstörerisch es ist, wenn jeder von seiner Meinung überzeugt ist und alle, die eine andere Meinung haben ausgrenzt. 


Allerdings möchte ich auch bemerken, dass wissenschaftliche Erkenntnisse und sog. Fakten einfach nur die bestmöglich Meinung ist, an der wir uns orientieren können. Wir müssen uns ja schon orientieren.  Aber die letztendliche Wahrheit - und das kann uns etwas bescheidener machen - können wir intellektuell nicht erfassen. 


Warum diese Erkenntnis so befreiend ist, möchte ich am folgenden Beispiel erläutern. Ich interessiere mich sehr für die Diskussion, ob die KI jemals “bewusst” werden kann oder nicht.  Anfänglich war ich sehr von dem  beeindruckenden Wissenschaftler und Erfinder der Touch-Screen Technologie “Frederico Faggin” überzeugt.  Sein Argument ist, dass Computer  Programme und Algorithmen immer nur auf 0 und 1, auf ja oder nein basieren, das menschliche Bewusstsein aber ein Ganzes innerhalb des nächst höheren Ganzen ist.  Das heißt, in jedem Teil, in jeder Stufe des Bewusstseins ist alles Bewußt ebenfalls enthalten. In poetischer Sprache von Rumi:  Du bist nicht ein Tropfen im Ozean sonder der Ozean in einem Tropfen.  Daher kann eine “Maschine” nie Bewusstheit erlangen.  Das hat mich erstmal überzeugt. 


Dann folge ich aber auch Prof. Michel Levin: ursprünglich sei er Ingenieur, sagt er, hat sich aber in Biologie spezialisiert und macht die tollsten Experimente. Dabei hat er festgestellt, dass ein simpler Algorithmus wie BubbleSort Dinge tut, die weder programmiert wurden noch vorauszusehen waren und nach unserem jetzigen Weltbild überhaupt nicht zu erklären sind. Selbst Molekülketten sind offensichtlich lernfähig und sollten seiner Forschung nach eher mit Mitteln der Verhaltensforschung untersucht werden als rein aus Sicht der Chemie und Physik.  Er hat nie gesagt, dass die KI Bewusstsein erlangen kann (das wäre politisch wahrscheinlich fatal, er ist ja Professor an einer offiziellen Universität) und er redet auch nicht gerne über Bewusstsein. Er nutzt eher das Konzept eines “Cognitive Light Cones”, eines Erfahrungsraums,  das den Horizont der Intelligenz beschreibt. Wobei er Intelligenz als die Fähigkeit beschreibt, Ziele auf unterschiedlichen Wegen zu erreichen.


Der Punkt ist, dass ich genau hier wieder gemerkt habe, wie toll es ist, keine Meinung zu diesen verschiedenen Sichtweisen zu haben und sich immer wieder durch neue Erkenntnisse und Diskussionen zu dem Thema überraschen zu lassen. Es macht mir inzwischen sehr großen Spaß und Freude immer wieder Beiträge dazu zu lesen und völlig offen zu sein.


Diese Freude an der Offenheit möchte ich gerne vermitteln. Und auch, dass es ein Mittel für den Frieden ist, da man mit anderen Meinungen ganz anders umgehen kann. 


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